Hydration einfach erklärt
Die Hydration ist das Gewicht des Wassers geteilt durch das Gewicht des Mehls, als Prozentzahl angegeben. Ein Teig mit 500 g Mehl und 325 g Wasser hat 65 % Hydration.
CookBook TeamAktualisiert
Die Formel zur Hydration
Die Hydration wird als Bäckerprozent angegeben: Mehl ist immer 100 %, alle anderen Zutaten werden als Anteil vom Mehlgewicht berechnet. Wiege Mehl und Wasser immer in Gramm ab, da die Rechnung nur mit Gewichten funktioniert.
Hydration (%) = Wasser (g) ÷ Mehl (g) × 100
Umgekehrt, wenn du eine bestimmte Hydration erreichen willst: Wasser (g) = Mehl (g) × Hydration (%) ÷ 100.
Rechenbeispiele in Gramm
- Rezept prüfen: 500 g Mehl und 325 g Wasser. 325 ÷ 500 × 100 = 65 %.
- Zielwert berechnen: 1.000 g Mehl bei 70 % benötigen 1.000 × 70 ÷ 100 = 700 g Wasser.
- Mehrere Mehlsorten: Zuerst zusammenzählen. 400 g Brotmehl, 100 g Vollkornmehl und 380 g Wasser: 380 ÷ 500 × 100 = 76 %.
- Vom Teiggewicht ausgehen: Vier Pizzakugeln à 250 g ergeben 1.000 g Teig. Bei 62 % Wasser, 3 % Salz und 0,2 % Hefe ergeben die Prozente zusammen 165,2 %, also Mehl = 1.000 × 100 ÷ 165,2 = 605 g. Wasser dann 605 × 62 ÷ 100 = 375 g, dazu 18 g Salz und 1,2 g Hefe. Der Pizza-Teig-Rechner übernimmt das für jede gewünschte Kugelanzahl.
Wenn ein Rezept Mehl oder Milch in Tassen angibt, rechne sie mit der Zutaten-Gewichtstabelle zuerst in Gramm um, bevor du die Hydration berechnest.
Was zählt als Flüssigkeit?
In Rezepten werden Milch, Saft, Tee, Kaffee, Bier und Wein oft als Wasser mitgezählt, wenn die Hydration angegeben wird [1]. Kuhmilch besteht zu etwa 87 % aus Wasser [2]. Zählt man sie komplett, überschätzt das die Hydration leicht: Ein Teig mit 500 g Mehl und 300 g Vollmilch ergibt rechnerisch 60 %, tatsächlich bringt die Milch aber nur etwa 262 g Wasser ein, also 52 %.
Eier und Butter werden meist nicht zur Hydration gezählt, bringen aber trotzdem Wasser in den Teig: Eier bestehen zu etwa 75 % aus Wasser [1], Butter zu etwa 16 bis 18 % [1][3]. Deshalb fühlt sich ein angereicherter Teig wie Brioche trotz niedriger Hydration weich an.
Wenn du ein Rezept veröffentlichst, gib an, ob Milch, Eier oder andere Flüssigkeiten in der angegebenen Hydration enthalten sind. Wenn du Wasser durch Milch oder Ei ersetzt, rechne mit deren Wasseranteil, nicht mit dem Gesamtgewicht.
Wie Sauerteig und Vorteige mitgerechnet werden
Ein Sauerteig, Levain, Poolish oder Biga besteht aus Mehl und Wasser (plus Hefe oder wilder Kultur), die vorab gemischt werden. Ein Teil von Mehl und Wasser steckt also schon im Vorteig. Seine eigene Hydration zeigt, wie du ihn aufteilst:
Vorteig-Mehl (g) = Vorteig (g) ÷ (1 + Vorteig-Hydration ÷ 100)
Vorteig-Wasser (g) = Vorteig (g) − Vorteig-Mehl (g)
Rechenbeispiel: ein Vorteig mit 100 % Hydration
Ein Vorteig mit 100 % Hydration enthält gleich viel Mehl wie Wasser, also sind in 100 g Vorteig 50 g Mehl und 50 g Wasser. Beispiel: Ein Teig mit 450 g Mehl, 315 g Wasser, 100 g dieses Vorteigs und 9 g Salz:
- Nur der Hauptteig: 315 ÷ 450 × 100 = 70 %.
- Gesamt, inklusive Vorteig: (315 + 50) ÷ (450 + 50) × 100 = 365 ÷ 500 × 100 = 73 %.
- Vorteig-Mehl-Anteil: 50 ÷ 500 × 100 = 10 % vom gesamten Mehl.
Ein fester Vorteig wird anders aufgeteilt: 150 g bei 50 % Hydration sind 150 ÷ 1,5 = 100 g Mehl und 50 g Wasser.
Hauptteig oder Gesamtformel: Zwei Zählweisen
Hauptteig: Die Prozente beziehen sich nur auf das Mehl, das beim letzten Mischen zugegeben wird; der Vorteig oder Sauerteig zählt als eine Zutat. Gesamtformel: Der Vorteig wird in Mehl und Wasser aufgeteilt, und alle Prozente beziehen sich auf das gesamte Mehl. Profis verwenden meist die Gesamtformel und geben den Anteil des Vorteigmehls separat an [4].
Der Unterschied kann groß sein: Bei einem Poolish-Baguette liegt das Wasser bei 48 % des Hauptteigmehls, aber bei 65 % des Gesamtmehls, wenn der Poolish mitgerechnet wird [5]. Die Hydration von Sauerteig wird meist nach der Gesamtformel angegeben, also inklusive Mehl und Wasser im Sauerteig oder Levain [1]. Die kleine Menge reifer Starter, die einen Levain ansetzt, wird oft weggelassen [6][7]. Gib beim Veröffentlichen eines Rezepts immer an, wie du gezählt hast. Der Bäckerprozent-Rechner zeigt beide Werte, und der Guide zu Poolish, Biga und Levain erklärt den Aufbau der einzelnen Vorteige.
Festen, geschmeidigen und weichen Teig erkennen



Diese Beispiele zeigen das Handling, nicht die gemessene Hydration. Mehl, Kneten, Fermentation und Ruhezeiten beeinflussen das Aussehen; rechne die Hydration immer anhand der abgewogenen Zutaten.
Typische Hydration nach Brot- und Pizzastil
Diese Werte sind Anhaltspunkte aus veröffentlichten Rezepten, jeweils nach der Gesamtformel berechnet. Je nach Mehl kann dein optimaler Wert um einige Prozentpunkte abweichen.
| Stil | Typische Hydration | Hinweise |
|---|---|---|
| Bagel | 55 bis 65 % | Fester Teig für dichte Krume und Biss [8] |
| Sandwichbrot (Kastenbrot) | 62 bis 65 % oder mehr | Weiche Sandwichbrote meist ab 65 % [9][8] |
| Baguette | 65 bis 67 %, bis 77 % bei Artisan-Varianten | Schlichter Teig; handwerkliche Varianten sind feuchter für eine offenere Krume [5][10][1] |
| Ciabatta | 73 bis 76 %, bis 90 % | Braucht das Wasser für die dünne Kruste und die grobporige Krume [5][11][12] |
| Focaccia | 80 % oder mehr | Großporige, luftige Krume; das Blech stützt den feuchten Teig [13] |
| Neapolitanische Pizza (AVPN) | 55,6 bis 62,5 % | 1.600 bis 1.800 g Mehl pro Liter Wasser; gebacken für 60 bis 90 Sekunden [14] |
| New York Style Pizza | 52,5 bis 65 % | Meist 12 bis 72 Stunden kalt geführt [15][16] |
| Blechpizza, inkl. Detroit Style | 58 bis 80 % | Detroit Style am feuchtesten, 70 bis 80 % [17]; siehe den Pizza-Teig-Rechner |
Wenn du ein Pizzarezept als AVPN-Stil bezeichnest, bleib im AVPN-Bereich. Innerhalb der Spanne gilt: Je mehr Wasser das Mehl aufnehmen kann, desto höher darf die Hydration sein.

Mehl, Wasseraufnahme und Erfahrung
Die richtige Hydration hängt davon ab, wie viel Wasser dein Mehl aufnehmen kann. Die Wasseraufnahme wird meist mit einem Farinographen gemessen und steigt mit dem Proteingehalt, beschädigter Stärke und Pentosanen (einer Faserart) [18]. Für neapolitanische Pizza ist das Mehl auf 55 bis 62 % Wasseraufnahme ausgelegt: fast identisch mit dem Hydrationsbereich des Teigs [14].
- Protein: Mehle mit höherem Proteingehalt (etwa 12 bis 14 %) nehmen meist mehr Wasser auf als Mehle mit weniger Protein. Weichere Mehle, wie sie in Großbritannien und Europa verbreitet sind, brauchen oft weniger Wasser, um gut verarbeitbar zu bleiben [6].
- Vollkorn: Weizenvollkorn- und andere Vollkornmehle nehmen mehr Wasser auf: Bei gleicher Hydration von 75 % fühlt sich ein Vollkornteig fester an als einer aus Allzweckmehl [1].
- Erfahrung: Bei Allzweckmehl ist der Teig bei 55 bis 65 % fest, bei 75 bis 85 % weich und klebrig [1]. Feuchtere Teige werden eher gefaltet und sanft geformt als geknetet. Erhöhe die Hydration schrittweise, wenn du sicherer im Umgang wirst [19].
Schnelle Fehlerhilfe
- Zu klebrig oder flüssig: Prüfe, ob du wirklich jede Flüssigkeit mitgerechnet hast, auch den Vorteig. Stärke den Teig durch Falten und gib ihm Zeit: Ein weicher Teig wird beim Ruhen oft fester. Beim nächsten Mal halte etwa 10 % des Wassers zurück und gib es nur dazu, wenn der Teig es aufnehmen kann [20]. Mehl solltest du nur im Notfall nachträglich zugeben, da sich sonst alle Prozentwerte im Rezept verschieben.
- Zu fest oder straff: Lässt sich der Teig schwer dehnen oder zeigt trockene Mehlstellen, gib das Wasser schluckweise dazu. Vollkorn- und proteinreiche Mehle brauchen oft mehr Wasser als im Rezept angegeben.
- Läuft auseinander oder bleibt klitschig: Der Teig enthält womöglich mehr Wasser, als dein Mehl binden kann. Reduziere die Hydration um ein paar Prozentpunkte oder verwende ein kräftigeres Mehl.
Bewahre deine Teigrezepte in CookBook auf
Mit CookBook kannst du Brot- und Pizzarezepte aus Webseiten, Social Media, Fotos und Kochbüchern speichern und alles an einem Ort organisieren. Im Kochmodus kannst du die Portionenzahl und das Einheitensystem anpassen: Die Zutatenmengen werden skaliert, aber die Zeiten im Ablauf bleiben gleich: beurteile also die Teigreife immer nach dem Teig selbst. Erfahre, wie du Rezepte hinzufügen, importieren und erstellen kannst.
Quellen
- King Arthur Baking: Hydration in bread dough, explained
- University of Guelph: Dairy Science and Technology, composition and structure overview
- Oklahoma State University Extension: Butter, chemical and physical properties and health effects (FAPC-253)
- Bread Bakers Guild of America: Formula layout standards, part I (Bread Lines, 2009)
- King Arthur Baking: Baker’s percentage (professional reference)
- The Perfect Loaf: What is dough hydration?
- King Arthur Baking: Sourdough Baguettes (professional formula)
- King Arthur Baking: The 5 elements of great bagels
- BAKERpedia: White pan bread
- King Arthur Baking: French Bread with Poolish (professional formula)
- King Arthur Baking: Ciabatta (professional formula)
- BAKERpedia: How does dough absorb water?
- King Arthur Baking: How can I get a more bubbly, open crumb in my focaccia?
- Associazione Verace Pizza Napoletana: Disciplinare 2024 (English)
- PizzaMaking.com: New York style pizza crust (American Institute of Baking formula)
- Pizza Today: NY-Style Pizza Dough
- Ooni: Pizza dough hydration explained
- BAKERpedia: Water absorption
- King Arthur Baking: When it comes to bread dough, is wetter really better?
- King Arthur Baking: 5 tips for working with high-hydration doughs
Ein wenig mehr Hilfe
Häufig gestellte Fragen
Zählt Salz zur Hydration?
Nein. Die Hydration vergleicht das Wasser (und andere Flüssigkeiten, die du ggf. mitzählst) mit dem Mehl. Salz und Hefe haben eigene Bäckerprozente, werden aber bei der Hydration nicht berücksichtigt. 2 % Salz machen aus einem 70 %-Teig also keinen 72 %-Teig.
Kann die Hydration über 100 % liegen?
Ja. Liegt die Hydration über 100 %, enthält der Teig mehr Wasser als Mehl (nach Gewicht). Pan de cristal liegt etwa bei 100 %, und Vollkornmehle, die mehr Wasser aufnehmen, kommen auf sehr hohe Hydrationswerte, zum Beispiel ein 95%iger Vollkorn-Sauerteig. Solche Teige brauchen kräftiges oder Vollkornmehl und sorgfältiges Falten.
Ist ein höherer Wasseranteil im Teig immer besser?
Nein. Mehr Wasser sorgt bei Broten wie Ciabatta und Focaccia für eine offene Krume, aber Bagels und Brezeln brauchen einen festen Teig für ihre typische Konsistenz, und Brote mit mittlerer Hydration bleiben tagelang saftig. Wähle die Hydration passend zum gewünschten Brot und passe sie dann an dein Mehl an.
Mit welcher Hydration sollten Einsteiger starten?
Eine mittlere Hydration lässt sich am einfachsten verarbeiten: etwa 68 bis 70 % mit einem guten Brotmehl für das erste Sauerteigbrot. Ein 80%iges pain de campagne ist ein guter Einstieg in feuchtere Teige. Wenn das Formen schwerfällt, reduziere die Hydration beim nächsten Mal um ein paar Prozentpunkte.
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